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Nach langem Leidensweg,

endlich lachen Samira und Sahiba wieder


Am 20. Dezember 2018 kamen Samira (4) und Sahiba (5) über den gemeinnützigen Verein „Kinder brauchen uns e.V.“ nach Deutschland. Beide Mädchen erreichten damals den Flughafen in Düsseldorf lebensbedrohlich krank und im Rollstuhl sitzend. Ein Blick in die Gesichter zeigte unendlichen Schmerz und Traurigkeit.

Doch was steckt hinter diesen traurigen Augen?

Die vierjährige Samira und die fünfjährige Sahiba kamen aus der staatlichen Kinderklinik in Kabul (Afghanistan) und litten an Osteomyelitis. Unter Osteomyelitis versteht man die Entzündung des Knochens, welche durch Bakterien hervorgerufen wird, ausgelöst durch eine Wunde. Beide Mädchen hatten sich die Beine gebrochen und konnten nicht adäquat in ihrer Heimat behandelt werden. In Folge dessen entzündeten sich die Wunden und die Leidensgeschichte nahm ihren Lauf.

Der Verein „Kinder brauchen uns e.V.“, im speziellen Markus Dewender als Vorstandsvorsitzender, nimmt sich seit Anfang der 2000er Jahre diesen Leidensgeschichten an. Während einer Dienstreise nach Pakistan besuchte der Betriebswirt ein afghanisches Flüchtlingslager, wo ihm viel Leid und Krankheit begegnete. Kurzentschlossen nahm er zwei Kinder mit und brachte sie nach Islamabad ins Krankenhaus, wo sie behandelt wurden. Geprägt von den Erlebnissen in Pakistan entstand auf der Rückreise nach Deutschland die Idee zum Verein „Kinder brauchen uns e.V.“. Seitdem sind 16 Jahre vergangen, in denen Markus Dewender über 100 Mal in Afghanistan war. Bis heute hat er 687 kranke Kinder betreut. Möglich macht dies ein gut funktionierendes Netzwerk, zu dem unter anderem Pflegeeltern und Krankenhausmitarbeiter zählen.

Im Dezember 2018 nahm sich die das Team der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am DRK Krankenhaus Lichtenstein der Krankheitsgeschichte von Samira und Sahiba an. Nach der Diagnostik und kleineren chirurgischen Eingriffen war schnell klar, dass eine kinderintensivmedizinische Betreuung notwendig war. So fand man im Universitätsklinikum in Leipzig einen erfahrenen Kooperationspartner. Mehrere stundenlange Operationen mussten Samira und Sahiba in den vergangenen Monaten über sich ergehen lassen. An der Seite der kleinen Mädchen waren dabei stets ihre Lichtensteiner Pflegeeltern Gunter und Christine Haase. In ihnen fanden sie nicht nur körperliche und seelische Unterstützung, sondern vor allem ein stabiles, friedliches Umfeld und eine riesige Portion Liebe.

Bei einem gemeinsamen Treffen in der Kinderklinik Lichtenstein konnten sich Markus Dewender, Chefarzt Dr. Harry Sirb, das Pflegeteam und die physiotherapeutischen Mitarbeiter selbst ein Bild vom Zustand der Mädchen machen. Beide wirken glücklich, sie lachen viel und sprechen sehr gut Deutsch, obwohl sie sich anfangs weder mit Familie Haase noch untereinander unterhalten konnten. Samira und Sahiba stammen aus unterschiedlichen Teilen Afghanistans und sprechen unterschiedliche Muttersprachen. Beim Treffen ist von unterschiedlichen Sprachen nichts zu merken. Die Mädchen reden ohne Punkt und Komma, nennen ihre Pflegeeltern „Mama und Papa“ und als Chefarzt Dr. Harry Sirb die beiden begrüßt übergeben sie ihm selbstgemalt Bilder mit den Worten: “Du bist der Mann, der uns gesund gemacht hat, Danke!“.

Bis heute sind die Samira und Sahiba im DRK Krankenhaus Lichtenstein in der physiotherapeutischen Abteilung in Behandlung. Ihr Zustand ist stabil gut und die Rückführung in ihre afghanischen Familien ist für den 5. September 2019 geplant.